Montag, 20. Februar 2017

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Iran

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Ehemalige politische Häftlinge berichten über schlimmste Menschenrechtsverletzungen in iranischen Gefängnissen und rufen die internationale Gemeinschaft zum Einsatz für die Gefangenen und Ende der Hinrichtung und Folter auf.





Die 29-jährige iranische Aktivistin Shabnam Madadzadeh (Bild), die sechs Jahre lang in einigen der berüchtigtsten iranischen Gefängnissen festgehalten wurde, hat vor kurzem in Europa Zuflucht gefunden. In Presseinterviews macht sie nun darauf aufmerksam, dass die Gefangenen im Iran Folter und sexueller Gewalt ausgesetzt sind, und berichtet über ihre Gefangenschaft.

Als 21 jährige Studentin war Shabnam Madadzadeh zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, weil sie sich für Demokratie und Meinungsfreiheit im Iran eingesetzt hatte. Sie wurde jedoch sechs Jahre lang gefangen gehalten, u.a. im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis. Über Briefe, die sie heimlich aus ihrer Zelle schmuggeln konnte, hat Madadzadeh schon während ihrer Haft die Aufmerksamkeit auf die grausamen Bedingungen gelenkt, denen sie und Tausende andere Frauen ausgesetzt waren.

In ihren Botschaften appellierte sie an den UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte im Iran, die Gefängnisse Evin, Raja'i Shahr und Gharchak zu besuchen, in denen sie festgehalten worden war. Auf Madadzadehs Leid als politische Gefangene haben mehrere internationale Menschenrechtsorganisationen aufmerksam gemacht, bevor sie nach Europa entkommen konnte.

In den Gefängnissen Raja'i Shahr und Gharchak wurde Madadzadeh, wie andere Gefangene, gezwungen, den Hinrichtungen von Mitgefangenen zuzusehen. Auch ihr  wurde ständig mit Hinrichtung oder sexueller Gewalt gedroht, und sie wurde im Gewahrsam der Revolutionsgarden gefoltert.

„In jedem Augenblick, Sekunde für Sekunde, fühlt man den Tod. Die Verhör-Gardisten sprechen jeden Tag über die Hinrichtung, und jeden Tag denkt man, dass man bald hingerichtet wird“, sagte Madadzadeh.

Im Gefängnis Raja'i Shahr lebte Madadzadeh in einem Raum, den sie als „Flur“ beschrieb, in dem 200 Frauen zusammengepfercht waren und wo es nur zwei Toiletten und verschmutztes Trinkwasser gab. Das Licht in diesem Raum wurde niemals ausgeschaltet, sodass die Insassen zwischen den brutalen Verhören nicht schlafen konnten.

„Als man mich verhörte, wurde ich auch körperlich gefoltert. Fünf oder sechs Männer standen um mich herum, als sie mich befragten, und schlugen mich, zogen an meinen Haaren und prügelten auf meinen Körper ein“, so Madadzadeh. Für sie sei es die schlimmste Bestrafung gewesen, in Isolationshaft gesteckt zu werden.

Madadzadeh berichtete auch über sexuelle Gewalt in den Gefängnissen: „Da drinnen gab es Mädchen, die von den Wächtern vergewaltigt wurden. Die gefangenen Mädchen und Frauen haben niemanden, der ihnen helfen kann, und viele werden von den Wächtern vergewaltigt, ohne dass jemand dafür bestraft wird.“

„Ich sehe noch immer das Gesicht eines Mädchens vor mir, das mir erzählte, wie es sechs Mal vergewaltigt worden war. Es war schrecklich. Das hat mir das Herz gebrochen, und als ich ihr zuhörte, musste ich einfach nur weinen, denn ich war im Gefängnis und konnte nichts tun.”



Auch Männer sind in iranischen Gefängnissen sexueller Gewalt ausgesetzt. Der 25-jährige Arash Mohammadi (Bild) der kürzlich ebenso wie Madadzadeh nach Europa gekommen ist, beschrieb, wie er als politischer Gefangener im Iran einen „ständigen Albtraum“ durchlebt hat, in dem er lange, brutale Prügel ertragen musste und mit Vergewaltigung bedroht wurde.

„Die Verhöre dauerten 12 Stunden. Dabei wurde ich auf eine Streckbank gelegt und mit Schlägen und Elektroschocks gefoltert. Es gab drei Verhör-Gardisten. Einer stellte die Fragen und die anderen beiden schlugen mich ständig. Manchmal wurde ich ohnmächtig, dann schütteten sie Wasser über mich, bis ich wieder zum Bewusstsein kam, und dann machten sie weiter“, berichtete Mohammadi.

Shabnam Madadzadeh und Arash Mohammadi rufen die internationale Gemeinschaft auf, sich wirksam für das Ende der Menschenrechtsverletzungen im Iran und für die Freilassung der politischen Gefangenen einzusetzen.



Wir fordern die Freilassung aller Gefangenen im Iran, die aufgrund ihrer religiösen Überzeugung oder der Ausübung ihrer Religion inhaftiert sind. Religionsfreiheit ist eines der wichtigsten Menschenrechte.



Der iranische Pastor Behnam Irani (im Bild mit seiner Frau und seinen Kindern) war im Iran über fünf Jahre lang wegen seines christlichen Glaubens in Haft. Der Familienvater, der mit einer armenischen Christin verheiratet ist, wurde am 17. Oktober vorzeitig freigelassen. Weltweit hatten sich zahlreiche Menschenrechtler für seine Freilassung eingesetzt.

Der 1960 geborene Pastor war 1992 vom Islam zum Christentum übergetreten. Seit 2002 arbeitete er als Pastor in einem Netzwerk von Hauskirchen. Im Iran sind insbesondere Christen mit muslimischer Vergangenheit fortwährend willkürlicher Verhaftung, Schikanierung und Gefangennahme ausgesetzt.

Pastor Behnam Irani war bereits 2006 und 2010 verhaftet worden. Wegen angeblicher „Handlungen gegen die nationale Sicherheit“ wurde er damals zu fünf Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. 2011 wurde der Pastor während eines Gottesdienstes in einer Hauskirche erneut festgenommen. Nun musste er die Haftstrafe antreten. Zu den fünf Jahren kam ein weiteres Jahr dazu.

In der Haft wurde Pastor Irani mehrfach gefoltert und hat dabei schwere Verletzungen erlitten. Zwischenzeitlich verschlechterte sich sein Zustand so sehr, dass er das Gefängnis verlassen und in einem Krankenhaus behandelt werden musste. Im September 2014 wurden neue, dubiose Anschuldigungen gegen den Pastor erhoben, die dafür sorgten, dass er wegen angeblicher “staatsfeindlicher Aktivitäten” und “Verstoß gegen die öffentliche Ordnung“ zu weiteren sechs Jahren Haft verurteilt wurde. Diese Anklage und die Haftverlängerung wurden später fallen gelassen.

Im Iran sind weiter zahlreiche Menschen allein wegen ihres christlichen Glaubens in Haft. Seit Beginn 2016 nehmen die Berichte über neue Verhaftungen zu. Die Repressalien und Verfolgungsmaßnahmen des islamistischen Regimes im Iran gegen Christen werden verschärft. Wir fordern die Freilassung aller Gefangenen im Iran, die aufgrund ihrer religiösen Überzeugung oder der Ausübung ihrer Religion inhaftiert sind. Religionsfreiheit ist eines der wichtigsten Menschenrechte.

Verein für Nothilfe e.V. - Menschenrechtsorganisation und Hilfe für Flüchtlinge

Der Verein für Nothilfe e.V. ist ein eingetragener und anerkannter gemeinnütziger Verein. Es ist unserer erklärtes Ziel als Menschenrechtsorganisation, bei der Verteidigung von Menschenrechten die internationale Unterstützung für die Bevölkerung im Iran zu gewinnen.

Mit einer Reihe umfangreicher Aktivitäten, die wir gemeinsam mit unseren Schwestervereinen und Menschenrechtsorganisationen in andere europäische Länder planen und ausführen, wollen wir die Verbrechen des Regimes im Iran aufdecken und Unterstützung für die Opfer und ihrer Menschenrechte leisten. Mit unseren Konferenzen, Meetings und Aktionen, die 24 Stunden am Tag die Nachrichten des Aufstandes ausstrahlen, geben wir den Menschen Mut im Kampf gegen Unterdrückung.

Neben unserer Vereinsarbeit unterstützen wir das Internationale Komitee der Juristen, dass die Opfer der Niederschlagung des iranischen Aufstandes verteidigt. Dieses Komitee leitet - neben der Öffentlichkeitsarbeit zu den Gräueltaten des Mullah-Regimes - die rechtlichen Schritte gegen die Verantwortlichen der Verbrechen.

Für uns ist die Unterstützung der iranischen Bevölkerung eine dringende menschliche Aufgabe. Nicht nur für die Demokratie im Iran sondern für den gesamten Weltfrieden.